Geschichte 

Wir erzählen Ihnen hier und auf den Torfkähnen gern die Geschichten des Teufelsmoores und ihrer Bewohner. Manchmal sind sie zum Schaudern, manchmal amüsant - aber immer unterhaltend. Wir freuen uns, wenn Sie interessiert sind.

Torfkähne

Die Region um Worpswede war früher eine unwegsame Sumpf- und Moorlandschaft. 1750 begann die staatliche Moorkolonisation im Teufelsmoor. Moorkommissar Jürgen Christian Findorff legte systematisch Dörfer und Gräben an. Er förderte den Ausbau von Entwässerungsgräben und führte sie zu schiffbaren Kanälen zusammen. Ebenso verpflichtete Findorff die Moorbauern, die Kanäle zu pflegen und zu unterhalten.
Diese Wasserwege sind die ältesten "Straßen" durch das Moor. Torfkähne waren in der Zeit zwischen Mitte des 18. Jahrhunderts und dem beginnenden 20. Jahrhundert die einzigen Verkehrsmittel im moorig-nassen Land bei Bremen. Die Torfkähne glitten durch die vielen kleinen Wasserstraßen im Teufelsmoor und prägten das Landschaftsbild. Mit ihnen fuhr man z. B. auch am Sonntag zur Kirche. Die Torfbauern stakten, treidelten, wriggten und segelten mehrere Tage lang bis nach Bremen und an die Unterweser, um den Torf zu verkaufen.

Alter Torfkahn
Der Verkauf des gestochenen und getrockneten Torfs war der wichtigste Erwerb der Moorbauern, der bis ins 20. Jahrhundert das wichtigste Heizmaterial war. Abnehmer waren Bäckereien, Gärtner oder Privatkunden, manchmal wurde auch gegen Lebensmittel getauscht. Die schwarzen Dielenboote mit den hoch aufragenden Segeln waren wenig komfortabel. Die meisten Bauern im Teufelsmoor besaßen Halb-Hunt-Kähne (Hunt = altes englisches Maß, 1 Hunt = 100 Körbe bzw. 12 m³ Fassungsvermögen). Ein Halb-Hunt-Kahn war 9,6 m lang und 1,83 m breit, wurde aus Eichenholz gefertigt und fasste 50 Körbe Torf. Das charakteristische braune Segel war ca. 12 m² groß und hing an einem 6 m hohen Mast.
Die Zeiten haben sich geändert. Heutzutage wird vorwiegend mit Gas und Öl geheizt und die Kähne befördern keinen Torf mehr, sondern Ausflugsgäste auf den Spuren der alten Moorbauern. Von Mai bis Oktober können Sie bei einer Fahrt mit Nachbauten der Halb-Hunt-Kähne die reizvolle Natur des Teufelsmoores und die Weite der Hammeniederung vom Wasser aus erleben und, wenn der Wind es zulässt, sogar segelnd.

Teufelsmoor

Torfschnitt
Das Teufelmoor ist eines der größten zusammenhängenden Moorgebiete Deutschlands und sogar das größte besiedelte Moorgebiet. Die Bodenstruktur wurde vorallem von der Saale-Eiszeit vor ca. 130.000 Jahren geprägt. Nachdem der damalige Gletscher im Zuge der interglazialen Erwärmung abschmolz, spülten gewaltige Wassermassen den sandigen Untergrund im Bereich des heutigen Teufelsmoores aus. Die Schichten die von diesem sandigen Untergund verblieben sind, sind zum einen die Geestrücken (Osterholz und Tarmstedt) und zum anderen der Weyerberg, der einen Tonkern hat, der den damaligen Wassermassen trotzen konnte. In den nachfolgenden Jahrtausenden (Eem-Warmzeit) hat sich zwar wieder eine Vegetationsdecke gebildet, diese wurde jedoch sehr wahrscheinlich von der Gletscherschmelze der letzten Eiszeit (Weichsel) vor ca. 12.000 Jahren weggespült. Im Zuge weiterer Erwärmung stieg der Meeresspiegel und die Fläche des Teufelsmoores konnte immer weiter vernässen. Es bildeten sich Planzengemeinschaften, die sehr gut auf die nassen Bedingungen spezialisiert sind. Sie bildeten die ersten torfbildenen Schichten, der sich anfänglich mit Bruchwäldern aus Erlen und Birken abwechselte. Nach einem weiteren Meeresspiegelanstieg konnten sich die Waldbildner jedoch nicht durchsetzen und wurden von Torfbildnern wie dem Torfmoos abgelöst. Dieses war vor ca. 8000 Jahren. In stetig überfluteten Bereichen bildete sich zuerst ein Niedermoor aus. Torfmoos welches in nährstoffreichem Wasser wächst und am Ende der Wachstumsperiode abstirbt, fällt ins Wasser und wird mikrobiell abgebaut. Für diesen Prozess wird jedoch Sauerstoff benötigt. Ist dieser verbraucht bevor die Pflanze vollständig zersetzt ist, bleibt ein Teil des Torfmooses erhalten. Da dies Jahr für Jahr aufs Neue passiert, baut sich allmählich ein Torfkörper auf. Wächst das Niedermoor aus den ständig vernässten Bereichen heraus, ändern sich die Wasser- und Nährstoffverhältnisse. Das Torfmoos bekommt sein Wasser vermehrt aus Niederschlägen, welches sehr nährstoffarm ist. Es bildet sich ein Hochmoor. Die veränderten Bedingungen führen unter anderem auch zu einer Farbveränderung im Torf. Ist der Torf im Niedermoor noch sehr dunkel (Schwarztorf), so verändert sich dieser im Hochmoor zu einem ockerfarbenen Weißtorf. Seit ca. 250 Jahren hat der Mensch die Wasserverhältnisse nachhaltig verändert, sodass Torfmoose heute nur noch in vergleichsweise kleinen Flächen wachsen können. Durch die Entwässerung des Moores ist nun zwar eine Besiedelung möglich, dem Torfmoos wurde jedoch Lebensraum genommen. Erst in den letzten 30 Jahren entwickelte sich der Naturschutz in die Richtung, dass Flächen renaturiert werden. Dazu bedarf es einer großen Kraftanstrengung, möglicherweise einer weit größeren, als die Zerstörung von vor 250 Jahren bis heute. Die Erhaltung der natürlichen Lebensräume für viele diverse "Moorspezialisten" soll auch das Interesse der Torfschiffer unserer Generation sein.